Ich möchte unbedingt mit dem Fahrrad den Wald erkunden, in dem ich als Kind mit meinen Eltern so oft war. Einige Eindrücke aus dieser Zeit haben sich ganz tief in mein Gedächtnis eingegraben und ich mache mich auf die Suche nach dem "Donati". Ich weiß noch genau, wo der Weg beginnt und dass man einen Hohlweg bergauf und dann einen langen Waldweg entlang gehen muss, dann kommt man zunächst zur "Bildeiche" und dann zum "Donati".
Den Hohlweg finde ich sofort - auch wenn er inzwischen ziemlich entschärft, begradigt und befestigt wurde. Damals sind die Wagen mit hölzernen, eisenbeschlagenen Rädern von Ochsen dort hinauf gezogen worden und die Räder haben tiefe Furchen in den Lehmboden gegraben.
Auch zwei Schilder mit der Aufschrift "Donatus-Kapelle" finde ich und folge ihnen, doch dann verliert sich die Spur.
Ich erkunde systematisch die gesamte Umgebung und folge jeder möglichen Abzweigung, doch ich kann den Donati nicht finden. Schließlich gebe ich auf und lasse mich auf einem Platz nieder, der zumindest eine Ähnlichkeit mit den Plätzen hat, an denen ich als Kind mit meinen Eltern war.
Ich liege im Gras und schaue in die Luft. Es riecht nach Nadelwald, doch für mich hat diese Duftmischung eine ganz besondere, einzigartige Note. Ich habe diesen Duft noch an keinem anderen Ort der Welt wahrgenommen, es riecht nach Steinberg. Mit diesem Duft verbinde ich die tiefe Geborgenheit und das unglaubliche Wohlgefühl, das ich offenbar damals als Kleinkind empfunden hatte.
Wenn ich nach oben schaue, sehe ich die Wipfel der Nadelbäume im Wind schaukeln:

Wenn ich nach oben schaue, sehe ich die Wipfel der Nadelbäume im Wind schaukeln:
Auch dieses Bild der schaukelnden Baumwipfel hat sich anscheinend damalas tief eingeprägt. Zusammen mit dem Duft nach Steinberg bringt es Emotionen hoch, die mich zu Tränen rühren.
Ich bleibe noch eine ganze Weile liegen und genieße die Gefühle und Erinnerungen an die Zeit, als ich ein Kleinkind war. Der Hunger holt mich wieder ins Hier und Jetzt zurück. Doch bevor ich zu Isso zurückfahre, grabe ich für unser neues Badezimmer noch eine junge Farnpflanze mit komplettem Wurzelballen und viel Steinberger Erde aus.
Im Cafe beim Gemeindeamt esse ich noch einen Toast, dann mache ich mich auf den Weg nach Pöttsching - ich habe nämlich noch einen weiteren Nostalgiebesuch vor: Ich will schauen, ob ich am Pöttschinger See Susi Jindra finden kann. Früher (=vor vierzig und mehr Jahren) haben wir (=Mama, Onkel Poldi und ich - mit meinem Auto) im Sommer oft den Besuch in Steinberg mit einem Besuch bei Familie Jindra kombiniert. Onkel Rudi, Tante Hanni und ihre Tochter Susi hatten dort ein kleines Sommerhäuschen mit Badesteg direkt am Pöttschinger See.
Im Herold habe ich tatsächlich eine Susi Jindra in Pöttsching gefunden - das muss sie sein! Ich rufe schon seit mehreren Tagen an, doch sie hebt nicht ab und ruft nicht zurück. Also fahr ich jetzt einfach auf gut Glück hin. Ich erkenne sofort das Tor mit dem von Onkel Rudi gefertigten Schilfornament:

Als ich anläute, kommt eine junge Frau und schaut mich fragend an. Ich sage, dass ich Susi Jindra suche, ich sei ein alter Freund und wir hätten uns gut 30 Jahre nicht gesehen.
Susi erkennt mich nicht gleich, wir haben uns ja doch beide verändert. Der Bart und so.
"Warum hast du nicht angerufen? Ich hab das ganze Haus voller Gäste ..."
Bei gewohnt starkem Kaffee und dem typischen Jindra'schen Streuselkuchen tauschen wir unsere aktuellen Telefonnummern aus. Ich bleibe nur kurz und wir machen uns einen baldigen neuerlichen Besuch zum ausführlichen Plaudern aus.
Als ich zurück nach Waidhausen komme brauche ich noch eine ganze Weile, um nach meiner sehr intensiven Zeitreise wieder ins Hier und Jetzt zu kommen.







