Do 16.6.2022 Wörthersee - Kindberg - Waidhausen

Erst zum Frühstück gehen wir rein in die Raststation und das zahlt sich aus, es gibt wirklich alles was der Herz begehrt und dazu den schönsten Ausblick auf den See. 


Ich fahre etwas mehr als die Hälfte der Strecke über den Perchauer Sattel, teilweise Autobahn, teilweise Schnellstraße. Es ist heiß und schwül und Gewitter sind angesagt. Wir fahren dem Regen hinterher, der Abkühlung, erfrischende Luft und schöne Wolkenstimmungen mit sich bringt.


Auf der Suche nach einer leistbaren Tankstelle verlassen wir nach Bruck an der Mur die Autobahn und fahren ein Stück auf der Bundesstraße weiter. Nachdem Isso versorgt ist gibt es auch für uns nochmals was zu essen in Kindberg, übrigens einem ganz netten Ort zwischen Kapfenberg und Krieglach. Ab Kindberg übernimmt wieder Walter das Steuer und bringt uns direkt auf den Parkplatz vorm Garten in der Felbigergasse. Ich muss natürlich sofort zum Gemüsebeet schauen und Paradeiser aufbinden. Als ich in die Wohnung raufkomme ist Isabella schon bei Walter und macht gerade aus, wann sie morgen von uns geholt werden möchte ;-) Founoon arbeit und am Fenstertag ist der Kindergarten geschlossen.

 

Und so frühstücken wir gleich am Freitag mit Bella und Walter macht die besten gebratenen Spiegeleier, aber nur das Weiße ;-) 

Schön war sie unsere Reise und schön ist es wieder zu Hause, ganz besonders mit Bella und Founoon!

Mi 15.6.2022 Letzter Tag am Strand in Punta Sabbione mit Vito und Heimfahrt bis zum Wörthersee

 

Heute Abend treten wir die 1. Etappe der Heimreise an und wollen noch bis zum Wörthersee fahren. Den Tag verbringen wir nochmals am menschenleeren Strand beim Leuchtturm in Punta Sabbione. Das Meer ist wieder ruhiger und durch den fehlenden Wind spürt es sich  heißer an als gestern.

Nach einer Abkühlung im Wasser liegen wir ganz entspannt unter dem Schirm, als plötzlich aus 20 oder 30 Meter Entfernung der Hund unserer Strandnachbarn schnurstracks auf mich zugalloppiert. Er hat keinen Beißkorb und ich kann im ersten Moment nicht einschätzen, was er vorhat und gerate kurz in Panik. Viel Zeit habe ich allerdings nicht dafür, denn in einem Satz springt er auf mein Handtuch, legt sich drauf wie ein Bettvorleger und kuschelt sich zu mir - ein großes Wollknäuel Liebe auf vier Pfoten. 

Wie wir aus dem Geschrei seiner italienischen Familie mitkriegen, die zu viert hinter ihm herläuft, heißt er Vito und er ist sichtlich noch recht jung. Sein Frauchen ist fuchsteufelswild und zerrt ihn an seinem Halsband hoch, er buchst nochmals aus, läuft auf die andere Seite unserer Strandmatte und legt sich jetzt hinter Walter. Vielleicht hat er nur Schatten gesucht, jetzt vermutlich auch Schutz vor der Strafpredigt. Ich streichle ein paarmal über seinen Kopf, sollte ich natürlich nicht, aber ich kann einfach nicht anders...

Walter und ich müssen lauthals lachen, das macht Vito's Frauchen vermutlich noch wütender. Sie packt ihn, schleift ihn über den Strand und verpasst ihm eine Abreibung. Schon klar, der kleine Kerl muss lernen, dass er sowas nicht tun darf. Aber er hat mit seiner Kuschelattacke in Sekunden mein Herz erobert und wenn ich an ihn denke bin ich noch immer verliebt...


Wir trinken noch einen Kaffee im Kiosk mit dankbarem letzten Blick auf den Strand, der uns viele schöne Momente beschert hat. Dann radeln wir zurück zu Al Bateo, machen Isso startklar und begeben uns auf den Heimweg. Ein Stopp im Supermarkt von Treporti und ein ziemlicher Stau gleich zu Beginn bei der Ausfahrt von Jesolo bringt uns in die Dunkelheit. Und so ist es bereits 22:00 Uhr als wir am Autobahnrastplatz Wörthersee ankommen und nur mehr schlafen gehen.

Di 14.6.2022 Wellen zum Verlieben und Venedig mit Vero

Nach den vielen Menschen gestern gehen wir es heute ruhig an. Wir kaufen frisches Obst und Gemüse im Campingplatz Shop - das stammt ja großteils vom eigenen Anbau des Chefs vom Al Bateo direkt aus Cavallino-Treporti. Ausnahmsweise haben wir auch Brot bestellt und Walter verspeist dazu seine Mortadella. Nachdem Founoon zu jeder Wurst Mortadella sagt, schicken wir ihr das Foto und erklären ihr, dass man unter Mortadella bei uns nur sowas versteht und das ist definitiv Schwein :-)


Um die Mittagszeit fahre ich schon mal voraus zum Strand. Es ist heiß und stürmisch und so lege ich den aufgespannten Schirm in den Sand, damit er nicht wegfliegt. Der Wind peitscht große Wellen Richtung Strand. Ich genieße das Getöse und laufe ins Wasser. Ein paar Menschen spazieren den Strand entlang, aber im Wasser bin ich ganz alleine mit den Wellen. Ich lasse mich von Ihnen tragen und ans Land spülen, stürze mich in sie hinein und tanze mit ihrem Rhythmus. Ich vergesse alles und bin nur noch selig.


Zurück in der Welt und am Strand schreibe ich Walter dass er die wunderbarsten Wellen verpasst und dass ich ihn liebe ❤️


Er kommt bald nach mit einem super Patent für Sonnenschirme in stürmischen Zeiten und dann ruft uns beide das Meer...

 


Am späten Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg nach Venedig um Eva's Freundin Vero zu treffen, die gerade auf Heimatbesuch ist. Um 17:00 müssen wir uns beim Vaporetto Gott sei dank nicht mehr anstellen, dass Boot ist allerdings beim Anlegen schon voll. Aber wir finden einen "schönen Stehplatz" im Freien und sehen überall lustige Spiegelungen.


Beim Aussteigen am Zaccharia sind wir die letzten und so können wir uns noch mindestens 5 Minuten auf den "Premiumplätzen" ausruhen, sogar mit Blick auf den Markusplatz - man könnte sagen ein Powernap, und er funktioniert tatsächlich :-)


Wir warten auf Vero am Markusplatz direkt beim Campanile. Sie ist nur 5 Wochen in Italien auf Familienbesuch und hatte bis jetzt viele Prüfungen und nur gelernt. Heute ist ihr 1. freier Tag und es ehrt uns sehr, dass sie diesen Abend mit uns verbringt. Sie führt uns zu einer kleinen Bar mit Blick auf die Terrasse vom "Deutschen Haus". Wir reden über Gott und die Welt, über Corona und die Ukraine, über ihr Studium und ganz besonders über ihre Freundschaft zu Eva und sie erzählt uns von Faye.
 



Nachdem wir ausgetrunken haben und nichts essen wollen werden wir quasi rausgeschmissen. Vero spaziert mit uns über den Fischmarkt und viele kleine Gässchen entlang und wir finden einen schönen Platz mit einer Bank, wo wir weiterplaudern können. Wir erzählen Vero von Torcello und den Seevögeln in der Lagune von Cavallino-Treporti


...und dann begleitet sie uns zum Markusplatz zurück, wo wir uns bei Vollmond von Venedig verabschieden und das Boot zurück nach Punta Sabbione nehmen. Danke Vero, danke Venedig, danke Vollmond!


Mo 13.6.2022 Biennale di Venezia Teil2 Gardini - ein Versuch


Heute wollen wir uns den 2. Teil der Biennale anschauen mit den Länderpavillions in den Gardini. Die Schlange für die Überfahrt von Punta Sabbione ist zwar etwas kürzer als beim letzten Mal, aber wir müssen trotzdem wieder auf das nächste Boot 1/2 Stunde später warten. Am Lido steigen wir um, weil es von dort eine Direktverbindung zu den Gardini gibt, heute keine so gute Wahl: unser Boot hat große Verspätung. Aber wir kriegen zumindst hier einen Sitzplatz und das ist diese Woche das erste Mal. Ich glaube nicht, dass kleinere oder weniger Boote fahren als sonst, es gibt einfach so viel mehr Fahrgäste... Als wir Gardini erreichen sind wir schon über 1 1/2 Stunden gestanden und freuen uns, keine langen Schlangen beim Eingang zu sehen. 


Der Grund dafür ist weniger erfreulich: an 3 von 4 Montagen pro Monat ist geschlossen, heute auch! Wir setzen uns auf ein schattiges Bankerl und überlegen, was wir stattdessen machen. 

Die Redentore Kirche und überhaupt die Giudecca sind mein Favorit, das ist eine wesentlich ruhigere Gegend und genau das Richtige jetzt. Walter möchte ins Eisgeschäft zu Nico am Zattere, das lässt sich gut verbinden. Die Fahrpläne der Vaporetto sind via google maps abrufbar. Auf dem Weg zu unserer Schiffstation merken wir, dass wir schon hungrig sind und finden ein schattiges Plätzchen in einer Pizzaria, in der nur Touristen sitzen, aber mit einer kühlen Brise vom Canale Grande. Erst als wir schon sitzen bemerken wir, dass unsere Pizzaria von Chinesen betrieben wird, eigentlich ein totales NoGo. Wir werden sehr positiv überrascht: eine Chinesin mit unglaublich positiver Ausstrahlung und guter Laune nimmt unsere Bestellung auf. Sie preist alle Gerichte auf's Höchste an und sowohl die Pizza als auch der Salat dazu sind tatsächlich sehr gut! 

Nach der Stärkung mit Essen und positiver Energie fahren wir dann zur Giudecca und genießen vor allem einen ganz neuen Blick auf den Markus Platz. Die Perspektive zu wechseln ist immer gut und der Spaziergang führt uns durch menschenleere Gassen vorbei an liebevoll dekoriertem Blumenschmuck.




Zum Abschluss fahren wir um das obligatorische Eis bei Nico und vom Zattere direkt zurück nach Punta Sabbione. 



So 12.6.2022 Zu Hause und ein Abend am Strand

Den heutigen Tag wollten wir eigentlich am Strand verbringen. Wir beginnen nach dem Frühstück mit ein bisschen Hausarbeit und fühlen uns so wohl unter den schattigen Bäumen, sodass wir fast den ganzen Tag zu Hause bleiben. 


Ich lerne mit der Hand Kaffee mahlen ... das hat bis jetzt immer Walter gemacht, seit er die Mühle gekauft hat. Mindestens 300 Umdrehungen bedarf es für unsere Bialetti, das ist Meditation.


Am Nachmittag gibt's einen erfrischenden Salat à la Walter. Erst gegen 17:00 Uhr mache ich mich alleine mit meinem Rad auf den Weg zum Strand, Walter bleibt lieber in der Hängematte.


Nach diesem ruhigen Tag weiß ich nicht so recht wie mir hier geschieht und ich überlege gleich wieder umzudrehen. Ich gehe dann doch kurz ins Wasser, setze mich auf meine Strohmatte und beobachte diese Schauspiel, das sich gerade aufzulösen beginnt. Bis vor kurzem waren es noch hunderte Boote, die draußen bei den Bojen vor Anker lagen. 

Meist junge Leute machen einen Verbund ihrer Boote, vielleicht 5-6 mit an die 20 Personen hängen zusammen. Sie hören laute Musik, machen Party ... es ist Lebensfreude pur! Ich beobachte andere Badegäste, die mit Sack und Pack in Grüppchen durch das seichte Wasser zu ihren Booten rauswaten um nach Hause zu fahren. Sie haben Kühltaschen und Sonnenschirme dabei, manche sogar Strandliegen.


 

Die Sonnenstrahlen werden flacher, es ist knapp vor 19:00. Ein Boot nach dem anderen verlässt schwer bepackt mit Menschen und allerlei Dingen die Küste. Auch am Strand packen die Frauen, Männer und Kinder ihre Sachen zusammen. Handtücher werden im Wind geschüttelt und vom Sand befreit. Die bunten Schirme werden abgespannt und Menschen verlassen in alle Richtungen den Strand. Von den letzten Booten schallen Opernarien über's Wasser von begabten oder zumindest begeisterten Baritonen und versuchen dem Abend zu trotzen. Aber dann verschwinden auch diese in die Weiten des Wassers, vermutlich gar nicht so weit in ihren Alltag in der Lagune um's Eck und das Sonntags-Spektakel ist vorbei.


Das Gewurrl und die Lebensfreude wandelt sich ein eine ruhige Abendstimmung, die Wellen werden hörbarer, die Flut kommt. Das Wasser gehört jetzt nur noch den letzten großen und kleinen Kindern, die Sand oder Frisbie spielen und vor allem sich selbst.

Ein paar Ladies schwimmen an mir vorbei und erinnern mich daran, auch nochmals ins Wasser zu gehen. Die Wellen und das Abendlicht rufen mich und ich fliege mit den Möwen.

Sa 11.6.2022 Mit dem Fahrrad durch die Lagune von Cavallino-Treporti

Schon bei der Anreise sind uns einige neue Radewege aufgefallen, teilweise direkt entlang der Kanäle. Heute wollen wir die Gegend per Pedes erkunden, besonders ein sehr ursprüngliches Gebiet von Treporti nach Lio Piccolo und Mesole.



Es zeigt die Lagune, wie sie war, noch bevor Venedig vor etwa 1000 Jahren zur Großmacht aufstieg. Schon interessant, mit welchem Aufwand, mit welchem Willen und auch Können die Menschen aus dem Sumpf das gemacht haben, was heute Touristenströme aus der ganzen Welt anzieht. Schön, dass hier und auf den vielen kleinen Inseln und Halbinseln der Lagune etwas dieser Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist.

Nach Treporti führt unser Weg vorbei an Gemüsefeldern und Gewächshäusern. Immer wieder sehen wir Artischocken oder es riecht nach Paprikapflanzen.



Allmählich gesellen sich auch Gerüche von abgestandenem Brackwasser dazu, das in allen Farben schimmert. Ein weitverzweigtes Netz von Kanälen zwischen Salzwiesen liegt vor uns und durchzieht die Lagun: Ein Paradies für Seevögel, die die Geräuschkulisse für unsere heutigen Radaufflug bilden. Neben verschiedenen Möwen- und Entenarten sehen wir Fischreiher, Kormorane und Silberreiher.


Besonders auffallend sind die Stelzenläufer, die mit ihren langen roten Beinen in den seichten Gewässern herumspazieren und nach Nahrung suchen. 

Die kleinen Straßen enden meist bei einem kleinen Gehöft eines Bauern oder Fischers, der Rest der Lagune gehört dann nur noch den Vögeln.



Es ist heiß und wir wollen ja heute noch zum Strand. Also verlassen wir die unberührte Lagune, radeln zurück "nach Hause" und kurz darauf zum nahen Strand beim Leuchtturm Punta Sabbione.

Viele Badegäste packen um diese Uhrzeit schon wieder zusammen und so gehört uns der Strand heute Abend fast alleine. 






Fr 10.6.2022 Biennale di Venezia - Teil 1 im Arsenale


An der Schiffsstation Punta Sabbione steht eine lange Menschenschlange und wir müssen 1/2 Stunde warten und das nächste Schiff nehmen, um nach Venedig zu kommen, sind sichtlich alles keine Frühaufsteher! Für unser heutiges Ziel haben wir trotzdem Glück, denn die Linie 12 bringt uns nach Zaccharia, quasi um's Eck vom Arsenale, wo wir uns den 1. Teil der Kunstausstellung ansehen wollen.

Schon auf dem Weg dorthin entdecken wir eine spannende Skulptur, die die Frage der Vergänglichkeit aufwirft. Was bleibt übrig von unserer Reise durch dieses Leben. Ein Koffer - voller Erinnerungen? 


Die Biennale steht heuer unter dem Motto "The Milk of Dreams" nach einem Kinderbuch von Leonora Carrington, in dem die surrealistische Künstlerin eine magische Welt beschreibt, in der das Leben durch die Fantasie immer wieder neu erfunden wird. Eine Welt, in der sich jede/r verändern, verwandeln, etwas oder jemand anderes werden kann.


Die Leitthemen für diese Biennale Arte konzentrieren sich vor allem auf drei Themenbereiche: die Darstellung von Körpern und deren Metamorphosen; die Beziehung zwischen Individuum und Technologie sowie die Verbindung zwischen Körper und Erde.

















Das Arsenale ist eine alte Schiffswerft und war Zeughaus und Flottenbasis der ehemaligen Republik Venedig.
 

Vor dem Zeitalter der Industrialisierung galt es als größte Arbeitsstätte Europas. Diese Hallen sind für sich schon ein architektonischer Leckerbissen. Gemeinsam mit den dort unglaublich toll in Szene gesetzen Kunstwerken fallen wir in dieses Ausstellungserlebnis richtig gehend hinein.



Natürlich spricht nicht alles an und irgendwann tritt auch eine gewisse Übersättigung ein.
 




Nach einer Kaffeepause auf dem Freigelände und dem Spiel mit Spiegelungen marschieren wir Richtung Ausgang, selbst im Park schon außerhalb des Arsenale sind noch einige der Skulpturen mitten in der Natur präsentiert.











Auf dem Rückweg zum Vaporetto kommen wir genau durch unsere Lieblingsgasse. Walter kauft in einer kleinen Werkzeughandlung einen Bohrer für den Ventilator vom Kühlschrank. Beim anschließenden Aperol in einer kleinen Bar nehme ich wieder nur Zitrone-Spritz, irgendwie hat es aus-Aperolt bei mir.
 


Gegessen haben wir eigentlich nix Gscheites seit dem Frühstück und so gibt es am Abend noch Erdäpfel mit Butter im Kerzenschein und Cantuccini mit Sommerspritz.