Di 30.8.2011 Von Saalfelden nach Waidhausen


Das Almkonzert auf der Steinalm haben wir verpasst und heute ist dort Ruhetag. In Form eines Morgenspaziergangs sehe ich die 1.400 m hoch gelegene Alm doch noch - vermutlich um sehr viel stiller als letzten Sonntag ...

Die ÖBB als Sponsor des Jazz Festivals Saalfelden :-)


Mehr als 2,5 Std. bin ich unterwegs für die Runde mit etwa 500 hm. Zu guter Letzt verlaufe ich mich noch und komme beim falschen Parkplatz raus. Eine deutsche Wanderin bietet sich sofort an, mich zum ISSO zu chauffieren - ein Engel auf vier Rädern!

Walter ist in der Zwischenzeit fast auf Stand mit dem Blog Schreiben und lässt vor allem das musikalische Programm des Wochenendes nochmals Revue passieren ...

Mama mit Flora und Luna

Über Lofer und die Westautobahn fahren wir am Nachmittag bis Melk. Mit Mama und ihren Hunden gibt es noch eine Abendrunde an der Donau und eine gemeinsame Jause mit Toni, der gerade von einer Mountainbike-Tour nach Hause gekommen ist. Kurz vor 22:00 Uhr sind wir sehr müde und sehr glücklich wieder zu Hause!

Mo 29.8.2011 Von Saalfelden nach Saalfelden

Heute wollen wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg machen und eventuell noch kurz Station am Keferfeld und anschließend in Melk machen. Zuvor wollen wir noch hinauf zur Einsiedelei am Stadtrand von Saalfelden, die sich in eine Felswand schmiegt und im Sommer immer noch von einem Eremiten bewohnt ist.

Doch es kommt anders.

Zuerst ein angeregtes Gespräch mit unserem Campingnachbarn Peter, der auch zum Jazzfest nach Saalfelden gekommen ist. Dann kommt uns die Wirtin besuchen und will unser Wohnmobil sehen. Sie und ihr Mann haben auch ein Wohnmobil und wir tauschen Erfahrungen aus und erfahren auch einiges über der Theurerhof.

Wir sind schon fast reisebereit, da kommt Nachbar Peter nochmal vorbei um Mailadressen auszutauschen. Es folgen ein, zwei Stunden angeregte Gespräche über Jazz, darüber hinaus erfahren wir eine interessante Lebensgeschichte. Wir beschließen, uns in Wien einmal zu treffen und gemeinsam ins Porgy zu gehen ...

Als wir dann den Theurerhof verlassen, ist es bereits 18 Uhr vorbei! Wir fahren noch Richtung Einsiedelei und parken Isso am Fuße des Palfen, wo der steile Fußweg hinauf zum Schloss Lichtenberg und weiter zur Einsiedelei beginnt.

Die Einsiedelei am Palfen hat uns beide sehr beeindruckt. Wir sitzen eine ganze Weile in der Georgskapelle, die in eine Felshöhle hineingebaut ist. Der Ort strahlt einen tiefen Frieden aus. Traude kauft anschließend das Buch "Seele sucht Ruhe" beim Autor und Eremiten Raimund von der Tannen.






Bis wir wieder zurück sind bei ISSO wird es langsam dunkel und wir beschließen, die nächste Nacht gleich hier auf dem Parkplatz zu verbringen. Traude liest noch in ihrem neuen Buch und ich schreibe Isso-Blog.


Das war wohl die kürzeste Tagesetappe der Isso-Geschichte, aber wir haben diesen Tag beide sehr genossen.

So 28.8.2011 Almkonzert am Vorderkühbühelhof

Wir verlassen so um 10 Uhr den Theurerhof und machen uns mit den Fahrrädern auf den Weg zum Vorderkühbühelhof, der auf einer Anhöhe etwa 100 m über Saalfelden liegt. Dort gibt es heute ein Almfest aus zwei unterschiedlichen Anlässen:
  1. 110 Jahre Eisenbahner-Stadtkapelle Saalfelden
  2. 32. internationales Jazzfestival Saalfelden
Entsprechend gemischt ist das Publikum und auch die Erwartungen ...


Das Emma Montanari Trio aus dem Friaul passt gut hierher und bildet die richtige musikalische Untermalung für ein schönes Fest. Die beiden Musiker Giulio Venier (violine) und Michele Pucci (guitar) wecken unsere Begeisterung (vom Duo kaufen wir auch eine CD). Emma hat schon Stimme und ist witzig, spricht aber vielleicht eher das Publikum der Eisenbahner-Stadtkapelle an.


Emma Montanari Trio

Giulio Venier und Michele Pucci

Zusammen mit einigen hundert Gästen aller Altersklassen genießen wir neben dem musikalischen und dem kulinarischen Angebot vor allem das herrliche Wetter und die unglaublich schöne Lage des Vorderkühbühelhofs mit Blick auf das Steinerne Meer und auf das Kitzsteinhorn.







Nach dem Almkonzert stärken wir uns mit einem "Bladl" (einer frittierte Teigflade - gefüllt oder ungefüllt) mit Sauerkraut und machen uns noch rechtzeitig davon, bevor die Darbietung der Eisenbahner Stadtkapelle beginnt. Hinunter nach Saalfelden und hinauf zum Biberg zur Talstation des Sessellifts auf die Huggenbergalm. Runter geht's dann mit der Sommerrodelbahn.

Nach kurzer Ruhepause mache ich mich am Abend wieder allein auf den Weg zum Congress, um das Abschlusskonzert des Jazzfestivals zu verfolgen. Für diesen Abend hab ich keine Karten, aber man kann das Konzert auch im Freien auf einer Videowall verfolgen.

"The Bad Plus" featuring Joshua Redman begeistern mich und ich genieße die Stimmung vor dem Congress genauso als ob ich drinnen wäre.

Joshua Redman

Nach dem Konzert steht die gesamte Jazzfestival-Crew Spalier und applaudiert dem Publikum, das den Saal verlässt. Eine schöne Geste zum Abschluss dieses großartigen Festivals!

Sa 27.8.2011 Der erste Schnee

Am frühen Morgen weckt mich ein Sturm und ich muss rasch die Markise einrollen und die Fenster sichern. Eine Wetterfront zieht durch und bringt endlich die erhoffte Abkühlung.

Es bleibt den ganzen Vormittag trüb und regnerisch und heute hat Traude keine Lust, das Haus zu verlassen. Mich zieht es trotz des unfreundlichen Wetters wieder in die Stadt. In regenfester Kleidung radle ich nach Saalfelden. Die City Stage, ein großes Zelt am Rathausplatz, ist trotz des unwirtlichen Wetters voll und die Stimmung ist wieder ganz toll bei den beiden Vormittagskonzerten:

Lorenz Raab's "Bull Horns"
Renato Borghetti Quartett
Am Nachmittag kauf ich noch ein paar Kleinigkeiten im einzigen Campingshop des Landes Salzburg und stocke im Spar Supermarkt unsere Lebensmittelvorräte auf. Daheim angekommen bin ich so erschöpft, dass ich einen Mittagsschlaf brauche.

schon munter?

Am Abend lichten sich die Wolken und die Sonne kommt wieder hervor. Um 19 Uhr beschließen wir, die Fahrräder zu satteln und nach Saalfelden zu radeln. Als wir die Issotür öffnen, merken wir, dass die Temperatur dramatisch gesunken ist. Innerhalb von weniger als 24 Stunden gab es einen Temperatursturz von 35° auf 6° bis 8° -  fast 30 Grad!

Wir sehen uns um und staunen - die umliegenden Berge sind mit Schnee angezuckert.




Wir ziehen 6 oder 7 Schichten übereinander an und müssen an diesem Abend trotzdem frieren:




Beim Abendessen im Festivalzelt können wir uns nur ungenügend aufwärmen. Bei einem Standel sehen  wir uns Winterpullover und Hauben an, die wir am Vortag bei der Hitze noch belächelt haben. Ich kauf mir eine gestrickte Mütze, die ich am Heimweg mit dem Fahrrad dringend brauche. Leider gab es keine Handschuhe :-(

Fr 26.8.2011 Ein heisser Tag in Saalfelden

An Vormittag steht Isso voll in der Sonne und wir bemühen uns, mit Markise und daran befestigten Handtüchern einen Schattenplatz zu improvisieren. Die Hitze macht uns träge und nur Traude kann sich am Nachmittag zu einem Fahrradausflug aufraffen.

Traudes Fahrradausflug über Saalfelden zum Biberg

Ich bleibe am Campingplatz und mache einen Nachmittagsschlaf im Freien. Trotz schattenspendender Markise ist es unerträglich heiß und ich freue mich schon auf den Abend.

Gegen 18 Uhr ist es so weit und wir radeln gemeinsam nach Saalfelden. Wir hatten zum Glück noch Karten für den Eröffnungsabend des 32. internationalen Jazzfestivals bekommen, das auf der Main Stage im Congress stattfindet. Bereits im Freien vor dem Congress spielt nochmal die Kar Ces Brass Band, die wir schon von gestern kennen.

Vor dem Congress Saalfelden: Die Kar Ces Brass Band
Kar Ces Brass Band

Im Saal gibts zunächst die Eröffnungsreden, dann das erste Konzert mit dem Max Nagl "Eight in One - Saalfelden Octett". Jeder Musiker des Max Nagl Quartetts "Big Four" nominierte für diesen Event einen Gastmusiker, darunter auch Otto Lechner - der einzige Musiker, den wir schon gekannt hatten.

Max Nagl "Eight in One Saalfelden Octett"
Nils Wogram - trombone, Brad Jones - bass, Max Nagl - saxophone
"Blind im Dienste der Musik": Otto Lechner - accordion

Das zweite Konzert war für mich der Höhepunkt des Festivals: Das Matthew Shipp Trio. Der Pianist Matthew Shipp hat einen sehr eigenwilligen, unverkennbaren Stil entwickelt und ist ein Meister der Improvisation. Ich habe dieses Konzert so intensiv erlebt wie kaum ein anderes zuvor - nicht einmal Keith Jarrett im Fenice kann da mithalten.

Matthew Shipp - piano
Michael Bisio - bass
Obwohl an diesem Abend noch zwei weitere Konzerte folgten, hatten wir beide schon genug und waren - im positiven Sinn - gesättigt. Aber nur, was die Musik betrifft, denn am Heimweg entdeckten wir im Rathauscafe noch ein kulinarisches Schmankerl: "Schlotfeger" - das sind mit frischem Schlagobers gefüllte Teigrollen mit einer dünnen Hülle aus Schokolade und karamelisierten Mandeln. Lecker!

Völlig unerwartet finden wir auf einem der Standeln vor dem Congresshaus eine sehr schöne Djembe mit weichem, aber sattem Klang, noch dazu ein Schnäppchen - die will einfach mit.

Auch an diesem Abend liegen wir noch eine Weile im Freien auf unseren Campingliegen und genießen die kühle Abendluft, die Dunkelheit, die Stille und vor allem den Sternenhimmel, der so klar und intensiv wie selten zu sehen war.

Do 25.8.2011 Vom Loser nach Saalfelden

Der Sturm hat sich gelegt, es scheint schon wieder die Sonne. Heute frühstücken wir im der Loser-Alm - und nicht zu knapp: es gibt Kaspressknödel Suppe und gemeinsam einen Kaiserschmarren.
Loserstraße und Dachsteingletscher von der Loser Alm
Dann verlassen wir den Loser, das Ausseerland und allmählich auch das Salzkammergut - in Richtung Jazzfest Saalfelden. Heute ist es noch nicht so heiß und so genießen wir die landschaftlich sehr schöne Fahrt - ganz besonders die Hochkönig-Bundesstraße.

In Saalfelden ist man noch mit den letzten Vorbereitungen für das 32. Internationale Jazzfest beschäftigt, man spürt im ganzen Ort diese Festival-Stimmung. Wir essen zu Mittag, kaufen Karten für Freitag Abend im Congresshaus und fahren dann zu unserem "Campingplatz" beim Landgasthof Theurerhof. Mittlerweile ist es wieder brütend heiß und wir verkriechen uns auf dem raren Schatten der großen Wiese.

Am Abend sind auf der City-Stage am Rathausplatz die inoffiziellen Eröffnungskonzerte. Wir hören noch den Schluss der "Kar Cres Brass Band", einer 8-köpfigen slowenischen, sehr illustren Truppe aus der Tradition des Balkan-Jazz. 



Kar Cres Brass Band


Es folgt das beeindruckende belgische Trios "Didier Laloy & S-Tres"
Nach den Konzerten spazieren wir noch ein wenig durch das mittlerweile nächtliche Saalfelden - die ganze Innenstadt ist Festival!

Mit dem Fahrrad geht es schließlich wieder zurück zum Theurerhof. Hier sind wir völlig abseits von dem ganzen Trubel und das Mitternachtsprogramm dieser lauen Sommernacht heißt "Sternderl schauen".

Mi 24.8.2011 Loser Gipfel

Kurz nach 8:00 Uhr machen wir uns - heute wieder nur mit kleinen Gepäck - auf den Weg zum Losergipfel. Es ist bereits recht warm und schon der kleine Anstieg zum Augstsee bringt uns zum Schwitzen.


Danach geht der Weg ziemlich steil über treppenartige Steinformationen hinauf zum Loserfenster.


Loserfenster

Die Ausblicke sind atemberaubend!

Es folgt ein flacher Übergang zum Hochanger (1837 m), dessen Gipfel man nur erahnen kann. Dann geht es vielleicht 100 hm runter und zum Loser Gipfel wieder rauf (1838 m).




Wir machen viele Fotos, teilen unser Käsebrot mit Bergdohlen, beobachten Kletterer, die die Wand vis à vis raufkommen und unterhalten uns mit einer Saalfeldnerin, die ein Jazzfest T-Shirt trägt. Dieses Gespräch bestärkt uns in unserer weiteren Routenplanung ...

Loser Gipfel mit Altausseer See und Dachstein Gletscher

Über den Loserboden und oberhalb der Loser Hütte sind wir um die Mittagszeit wieder zurück bei der Loseralm - sehr reizvolle Tour mit etwa 2,5 Stunden reiner Gehzeit.





Der Nachmittag dient dem Relaxen, Lesen, Blog schreiben, etc., danach gibt's noch Mozzarella mit Tomaten und einen Abendspaziergang zur Bräuningalm.



Bei Sonnenuntergang sind wir heute ganz alleine am Parkplatz, die Stimmung ist so friedlich. Wir sitzen noch lange im Freien und blicken in die Ferne, später in die Sterne. Irgendwann ist es dann vorbei mit dem Frieden und ein Sturm zieht auf. Vor dem Schlafengehen wechseln wir noch auf einen windgeschützten Platz.